Jobticket-Regelung in Bonn von IHK kritisiert!

Jobticket-Regelung

BONN. Unternehmen und IHK kritisieren die aktuelle Regelungen für die Monatskarte ihrer Mitarbeiter. Das Jobticket sei für viele Firmen schlichtweg “unattraktiv”.

Nachhaltigkeit sollte sich durch alle Bereiche des Unternehmens ziehen, selbst der Kaffee stamme aus fairem Handel „Wir würden es begrüßen noch mehr für den Umweltschutz in der Region zu bewirken“, versichert Andreas Seibt vom Softwareunternehmen „Tarent Solutions“ mit Sitz in Duisdorf. Um einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz und gleichermaßen zur Reduzierung der Feinstaubbelastung zu leisten, bemühe sich der Betrieb daher einen Großteil seiner rund 160 Mitarbeiter in Bonn zum Umsteigen auf Bus und Bahn zu bewegen. „Doch das ist für uns äußerst unattraktiv“, sagt Seibt. Aufgrund der Größe des Betriebes müssten sich alle Beschäftigten für ein Jobticket entscheiden. Nur dann gelte der günstige Tarif (Solidarmodell) von derzeit 54 Euro pro Monat.

Allerdings interessieren sich lediglich 70 Tarent-Mitarbeiter aktuell für den Dauerfahrschein. Daher greift für das Unternehmen lediglich das Fakultativmodell, bei dem das Ticket 74 Euro kostet. „Es wäre daher schön, wenn die Verkehrsbetriebe auch für Unternehmen, die keine 100-prozentige Abnahme garantieren, auch einen günstigeren Preis anbieten würden. Ich bin sicher, dass sich das auch andere mittelständische Unternehmen in der Region wünschen“, sind sich Seibt und Kollegin Bettina Klevers einig.

Zurzeit würden viele Angestellte nach wie vor mit dem Auto zur Arbeit kommen. Andere wiederum kaufen sich auf eigene Kosten ein „normales“ Monatsticket. „Bestes Beispiel dafür sei einer unserer Mitarbeiter, der aus Köln kommt und jeden Monat 220 Euro für die Fahrten zahlt“, sagt Seibt. Angesichts der aktuellen Luftbelastung und der derzeit zusätzlich anstehenden Großbaustellen in und um Bonn sind seiner Meinung nach schnelle, unbürokratische Lösungen nötig, um den Individualverkehr zu drosseln. „Hierzu braucht es allerdings  interessante und vor allem attraktive Alternativen“.

„Über kurz oder lang wird Bewegung in die Tarifordnung kommen!“

Letztendlich „abgesegnet“ sind die derzeitigen Modelle allerdings noch nicht. „Wir überlegen auch dahingehend, wie wir durch  noch innovativere Maßnahmen den Nahverkehr noch interessanter gestalten können und vor allem was wir verbessern können“, sagt Werner Schui, Pressesprecher der Stadtwerke Bonn. Gerade mit Blick auf die gewünschte Reduzierung der Stickoxidbelastung sowie den Immissionsschutz (Stichwort Lead City) sei das Emmens wichtig. „Über kurz oder lang wird Bewegung in die Tarifordnung kommen, denn der öffentliche Nahverkehr spielt eine immer wichtigere Rolle in der Entwicklung der Mobilität“, sagt Schui. Aber die Kosten sollte man dabei immer im Auge behalten.

Holger Klein vom Verkehrsverbund Rhein-Sieg spricht sich eher dagegen aus, dass sich an den aktuellen Tarifstrukturen etwas ändern werde. Gleichwohl scheint nichts in Stein gemeißelt. „Ich rate interessierten Unternehmen, uns direkt anzusprechen.“ Summer Samarium  sei das Jobticket ja doch ein Erfolgsmodell mit attraktiven profitablen Zuwachsraten. Die vielen Vorteile dürfe man nicht außer Acht lassen. „Positiv  hinzu zufügen sei auch, das das Ticket schließlich 365 Tage im Jahr im gesamten Verbund genutzt werden kann und darüber hinaus auch in der Freizeit“, erläutert Klein.

Nach Angaben zu Folge ist das Problem des Duisdorfer Softwareunternehmens der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg (IHK) kein Einzelfall. Immer mehr Betriebe würden sich über die derzeitigen Konditionen beklagen. „Wir wollen die Akzeptanz des Jobtickets und die Nachfrage steigern. Insbesondere die Pflicht, Jobtickets für die gesamte Belegschaft zu beschaffen, selbst wenn nur eine Minderheit es nutzen möchte, sorgt für Unverständnis“, erklärt IHK-Vizepräsident Jörg Haas.

„Viele Arbeitnehmer würden gerne ein Jobticket erwerben, können es aber aufgrund der bestehenden Regelungen nicht“, weiß IHK-Präsident Stefan Hagen. Insofern werde verhindert, dass insgesamt mehr Arbeitnehmer auf den Öffentlichen Personennahverkehr umstiegen. Dabei sei das Jobticket ein wichtiges kommunales Instrument zur Steuerung der Verkehrslast in den Städten. „Die Wirtschaft zeigte sich optimistisch und ist jedenfalls bereit, an einer solchen Optimierung des Jobtickets mitzuarbeiten und auch einen Teil der Verantwortung zu übernehmen“, versichert Hagen.

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