Möglicher Brexit hätte starke Auswirkungen auf die Region

Brexit

Nach dem Scheitern des Brexit-Abkommens im Londoner Unterhaus wächst die Besorgnis über die Folgen eines möglichen Ausstiegs Großbritanniens aus der EU. Ulf Reichardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln: „Offene Grenzen und Freizügigkeit des Handels sind seit über 25 Jahren die wirtschaftlichen Erfolgsfaktoren der EU. Wir haben hier in der Region genauso wie ganz Deutschland erheblich davon profitiert. Der sich jetzt abzeichnende Rückschritt ist höchst bedauerlich und wird auch für die regionale Wirtschaft erhebliche Auswirkungen haben.” So sei die britische Wirtschaft sehr stark mit unserer regionalen Wirtschaft verwoben – vom Export bis hin zu den Finanzmärkten. “Die Folgen sind dabei für jedes Unternehmen individuell zu bewerten, als IHK Köln haben wir daher ein Team aus Außenhandels- und Rechtsexperten zusammengestellt, dass Unternehmen schon seit längerem kurzfristig und kostenlos berät. Einen Einstieg bietet der Brexit-Check auf unserer Internetseite.“

Beim Austritt Großbritanniens aus der EU wird es Einschränkungen beim Warenverkehr geben, bei der Dienstleistungsfreiheit und der Arbeitnehmerfreizügigkeit. Großbritannien ist ein wichtiger Markt für die NRW-Wirtschaft, rund 6,3 Prozent der NRW-Exporte und über 3,4 Prozent der Importe finden mit Großbritannien statt. „Allerdings nimmt die Bedeutung schon jetzt ab: In Erwartung des Brexits ist Großbritannien von Rang drei auf Rang vier der wichtigsten Absatzmärkte in NRW gesunken“, sagt Reichardt. Die Rückgänge im UK-Geschäft würden zurzeit durch andere Märkte kompensiert, bei einem Ende des derzeitigen Exportbooms und weiteren Einschränkungen durch drohende Handelskriege in anderen Regionen der Welt könnte dies jedoch gefährdet sein.

Bei einer IHK-Umfrage vom vergangenen Jahr zu den Auswirkungen des Brexits konnten über 40 Prozent der befragten NRW-Unternehmen nicht abschätzen, welche konkreten Folgen eines Brexits für die eigenen Geschäfte zu erwarten sind. Rund 20 Prozent gaben an, dass sie sich mit diesem Thema noch nicht beschäftigt haben. „Diese Zahlen sind für uns alarmierend: Nicht nur die direkten Außenwirtschaftsbeziehungen zu Großbritannien sind betroffen, sondern beispielsweise können auch so profane Verträge wie Versicherungen ihre Gültigkeit verlieren. Dies muss in jedem Einzelfall geprüft werden“, so Reichardt. Durch veränderte Zollbestimmungen bei Zollanmeldungen und Ursprungsnachweisen kämen zudem zusätzliche geschätzte jährliche Kosten von rund 60 Millionen Euro auf die Kölner Wirtschaft zu. Für den gesamten IHK-Bezirk beliefen sich diese Kosten sogar auf rund 107 Millionen Euro.

Im Bezirk der IHK Köln gibt es 231 britische Firmen. 43,5 Prozent der exportierenden Unternehmen sind auch in Großbritannien aktiv. 35,7 Prozent beschäftigen britische Staatsbürger.

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